HOCHTOUR WILDSPITZE 3772 M - DAV Gangkofen

Hochtouren

HOCHTOUR WILDSPITZE 3772 M

FIRNAUSBILDUNG & SPALTENBERGUNG

9.JUNI bis 11.JUNI

TAG 1

Alle 10 Teilnehmer, einschließlich der Hochtourenleiter Max Altmannshofer und Klaus Mölzl,

standen 9:30 Uhr am Startpunkt Mittelberg im Pitztal bereit, um den gemeinsamen Aufstieg (ca. 1000 Höhenmeter) zur Braunschweiger Hütte auf 2759 m anzugehen. Die ursprünglich geplante Basis im Taschachhaus (2434 m) musste kurzfristig aufgegeben werden, da die Hütte noch geschlossen war. Was das für die geplante Hochtour zur Wildspitze bedeutete, folgt später im Bericht.

Am Parkplatz Mandarfen/Mittelberg am Ende des Pitztals vl. Alex, Christian, Kursleiter Max, André, Arno, Petra, Gerda, Fachübungsleiter Klaus, Stefan und Peter

 

Das Wetter war viel besser, als die Wetterprognosen voraussagten und so sollte es die weiteren Tage bleiben. Sonnig und jeden Tag etwas wärmer; die Schneefallgrenze lag freitags noch bei 2900 m, samstags bei 3400 m, um am Sonntag über 4000 m zu steigen.

 Aufstieg zur Braunschweiger Hütte

Bewegen im Firnfeld

Angekommen und durch eine kleine Jause gestärkt, wurde am Nachmittag die erste Praxisübung durchgeführt. Wie verhalte ich mich, wenn ich auf steilem Firnfeld stürze und ins Rutschen komme? Max zeigte uns die verschiedenen Techniken (Bremsen in Bauchlage, Pickelrettungsgriff) und dann stürzten wir uns kopfüber ins Vergnügen. Es gab Gottseidank keine größeren Verletzungen, von Klaus‘ Nackenrolle und einigen Blessuren an Schulter und Arm mal abgesehen. Dann legten wir die Steigeisen an und drehten ein paar Testrunden, wobei Max uns den richtigen Einsatz des Pickels zeigte.

Geübt wurde, um aus alle möglichen Sturzpositionen den Körper unter Kontrolle zu bekommen.

Knoten- und Seilkunde

Nach dem bewegenden Teil am Steilhang gab es anschließend eine Einführung in die notwendigen Sicherungsmöglichkeiten am Seil. Mastwurf, Prusikknoten, Achter und Sackstich ließ einige Teilnehmer anfangs etwas skeptisch schauen, aber schnell hatte Max die notwendigen Handgriffe erklärt. Am Ende wurde das Ganze zu einem Flaschenzug zusammengebaut, um die Funktionsweise des Rettungsgerät zu erkennen. An der von der Sonne beschienenen Westwand der Hütte wurde so intensiv geschult, dass sogar das Abendessen verschoben werden musste. Damit konnte der erste Tag auf der Braunschweiger Hütte seinen Abschluss finden.

Lose Rolle (Karabiner) mit Rücklaufsperre

Braunschweiger Hütte

Die Hüttenwirte Melanie und Stefan Neurauter und Team haben sich sehr um uns bemüht. Das ausreichend große Lager, das Buffet am Morgen und am Abend ein Drei-Gänge-Menü gaben uns genügend Stärkung für die anstehenden Aufgaben. Durch die Anbindung an den europäischen Fernwanderweg E5 sind im Gegensatz zu früher viel mehr Bergwanderer zu Gast. Bergsteiger gelangen seltener hierher und weichen oft auf Breslauer Hütte oder Taschachhaus aus.

Tag 2

Gletscher Spalten-Bergungstraining

Nach der Trockenübung am ersten Tag ging es nun ans Eingemachte. Vormittags bildeten wir Dreierseilschaften, die im Wechsel die drei Positionen Gestürzter (A), Sicherung (B) und Retter (C) durchspielten. Immer war Max in der Nähe, um uns mögliche Fehler aufzuzeigen oder bei Fragen die passende Lösung zu präsentieren. Letztlich war es einfach sehr wichtig, immer wieder die notwendigen Handgriffe durchzugehen und somit mit allen Eventualitäten vertraut zu werden.

 

Trockenübung der 3 Seilschaften im ungefährlichen Gelände

Machten wir diese Übung zunächst am ungefährlichen Abhang vor der Hütte, wechselten wir am Nachmittag zu einer echten Spalte. Da galt es zunächst, die drei ersten Sturzfreiwilligen zu bestimmen. Petra, Klaus und André warfen ihre Klettererfahrung ins Seil und stürzten todesverachtend ca. 5 bis 6 m in die Spalte. Nach erfolgreicher Bergung wechselten wir die Position, so dass jeder mal die Positionen A, B, oder C absolvieren durfte. Insgesamt betrachtet eine sehr wertvolle und aufregende Erfahrung für alle Teilnehmer, die den vorausschauenden Umgang mit den Gefahren im Gletschereis eindrücklich schulte.

dann ging´s zur Spalte 

 da staunte man nicht schlecht

 Um einen Seilschaftssturz zu verhindern, wurde sicherheitshalber eine Hintersicherung aufgebaut,mit der über zusätzliche Seile der Mittlere jeder Seilschaft gesichert wurde. 

realitätsnäher kann man nicht üben

Linker Fernerkogel (3278 m)

Während der Spaltenbergung gelang es Klaus, Stefan und Petra (die bereits zum wiederholten Mal am Bergungstraining teilnahmen), sich von der Gruppe abzusetzen, um den Linken Fernerkogel zu erwandern. Klaus übernahm die anspruchsvolle Aufgabe, im nassen, knietiefen Schnee die Dreierseilschaft in etwas mehr als einer Stunde zum Gipfelkreuz zu führen. Damit hatten sie eine gute Grundlage für die anstehende Hochtour am folgenden Tag geschaffen.

 Aufstieg zum Linken Fernerkogel

Tag 3

Wenn der Wecker um 3 Uhr klingelt …

Wie bereits erwähnt, ist die Braunschweiger Hütte heutzutage selten der Ausgangspunkt für eine Besteigung der Wildspitze. Das liegt vor allem am langen Anmarsch übers Mittelbergferner zum Mittelbergjoch (3200 m), bevor man im Taschachferner den Aufstieg angehen kann. Da sind die Touren über die Breslauer Hütte oder das Taschachhaus deutlich kürzer.

Aber wir starten an der Braunschweiger Hütte und damit wir die guten Bedingungen eines festen Firns wenigstens für den langen Anmarsch nutzen können, ist der angepeilte Startpunkt 4 Uhr in der Früh. Dieser wird auch, akademisches Viertel eingerechnet, eingehalten. Unter wunderschöner Beleuchtung eines fast runden Mondes können die Stirnlampen ausbleiben und der Anstieg zum Mittelbergjoch geht zügig voran.

zuerst ging es über den Mittelbergferner zum Mittelbergjoch (3166m)

Dort angelangt, ist Max sehr erstaunt, als er sieht, wie weit sich der Taschachferner zurückgebildet hat. Es war seine fünfte Besteigung der Wildspitze, unter anderem hatte er vor 30 Jahren seine Prüfung zum Hochtourenführer dort abgelegt. Dem kurzen, aber steilen Abstieg vom Joch zum Ferner folgt ein langer, aber wunderschöner Aufstieg im weiten Bogen bis zum Gipfelgrat. Diesen Weg legen wir in zwei Fünferseilschaften zurück.

 über den Taschachferner geht es in einem großen Bogen um die Eisabbrüche herum

 

Am Grat legen wir Seile und Stöcke ab, legen dafür die Steigeisen an und greifen zum Pickel. Insgeheim taufe ich den Berg in Windspitze um, da hier ein sehr kräftiger Wind um die Nase pfeift…

 vom Fuße des Westgrates bei 3688m, geht es mit Pickel und Seigeisen über kombiniertes Gelände zum Gipfel 

 

Nach knapp 30 Minuten und insgesamt fünfeinhalb Stunden stehen alle um 9:45 Uhr überglücklich am Gipfelkreuz und Klaus‘ berühmt-berüchtigter Gipfelschnaps kommt zum Einsatz.

Wildspitze 3770m

Vom Abstieg und Rückweg existieren nur wenige Bilder, weil alle mit den widrigen Bedingungen des inzwischen sulzigen Taschachferners kämpfen. Max und Klaus spuren mit Bravour, so dass wir uns mit zwei kurzen Pausen zähneknirschend ins schier tropisch heiße Mittelberg zurückschleppen, das wir nach gefühlter Ewigkeit bereits um 14:45 Uhr erreichen. Insgesamt haben wir nach knapp 11 Stunden 1400 m auffi und 2150 m obi in den Knochen.

Doch nach ein, zwei Radlern im Gletscherstübele sind alle wieder soweit hergestellt, dass der Rückreise von dieser wunderschönen Hochtour nichts mehr im Weg steht.

Unser Dank geht an Max und Klaus, die uns bei dieser Hochtour prächtig geführt haben und allen Teilnehmern wertvolle Kenntnisse im Umfeld der Gletscherbegehung vermittelten.

hod do des Radler g´schmeckt.

Bericht: André

 

Hochtour auf die Wildspitze- Tag 3

„Um viere sama morgen in da Spur!“- mit dieser Aussage schickte uns der Max am Samstagabend eher früher als später ins Bett. Ein frühzeitiger Aufbruch ist bei Touren dieser Art selbstverständlich, und so klingelte um 3:15 Uhr der Wecker, die Gruppe stand auf und packte die letzten Habseligkeiten in die Rucksäcke oder in Depot-Müllsack, welchen Klaus Mölzl noch in seinem Rucksack gefunden hatte, um überflüssigen Ballast mit der Materialseilbahn ins Tal bringen zu lassen. Der Hüttenwirt hatte uns freundlicherweise im Nebenzimmer das Frühstück bereitgestellt, und so konnte sich jeder morgens noch stärken und die Thermoskannen mit Tee füllen. Unterpünktlich starteten wir dann um 4:15 Uhr und stiegen im Schein der Stirnlampen und des fast vollen Mondes von der Braunschweiger Hütte zum Ende des Skigebiets Pitztaler Gletscher ab. Der Schnee war über Nacht steinhart gefroren, und so kam man zügig voran. Nach etwa zwei Stunden ging langsam die Sonne über den Gipfeln der Ötztaler Alpen auf, und unsere Gruppe hatte bereits das Mittelbergjoch auf 3166m erreicht. Bei einer ersten kleinen Pause wurde nicht viel gesprochen, aber unser Max wusste sofort, wie hoch der Gletscherstand des Taschachferners vor einigen Jahren war. Dort, wo er bereits mit den Tourenskiern ohne Höhenverlust gequert hatte, muss man nun über grobes Blockwerk ca. 60 Höhenmeter absteigen, um auf den Gletscher bzw. was davon übrig ist, zu gelangen. Auf dem Taschachferner kamen dann die Seile zum Einsatz. Es wurden zwei 5er-Seilschaften gebildet, angeführt von den Fachübungsleitern Max und Klaus. Die Schneeauflage war immer noch tragfähig und so konnten wir zügig aufsteigen, unser Ziel, die Wildspitze, stets im Blick. Vorbei an gewaltigen Gletscherbrüchen und Spalten gewannen wir schnell an Höhe. Ein uns entgegenkommender Tourenskigeher sorgte im ersten Augenblick für große Begeisterung, im zweiten wurde dann aber unseren begeisterten Skifahrern bewusst, dass wir wieder alles zu Fuß absteigen mussten. Nach insgesamt etwa 4,5 Stunden erreichten wird schließlich den Südwestgrat der Wildspitze. Hier wurde sich aus dem Seil ausgebunden, die Steigeisen angezogen und die letzten Höhenmeter in Angriff genommen. Mit dem Pickel in der Hand und den Steigeisen an den Füßen konnte der Grat problemlos bezwungen werden und so standen wir um ca. 10:45 Uhr auf dem Gipfel der Wildspitze, mit 3768m dem zweithöchsten Berg Österreichs. Nach einer kurzen, aber dafür sehr windigen Gipfelrast ging es nun auch schon wieder an den Abstieg. Um gefahrlos absteigen zu können, wurde die Route mit einem Seil gesichert, an dem sich jeder mit einer Prusikschlinge eingebunden hatte und so stand bald wieder jeder auf der Schneedecke des Taschachferners. Nun ging es an den langen Abstieg zurück ins Tal. Die Sonne brannte mittlerweile vom Mittagshimmel und der Schnee tat sein Übriges und sorgte für den ein oder anderen Sonnenbrand bei den Teilnehmern. Auch das Gehen auf dem Gletscher wurde immer anstrengender, da man bei jedem Schritt durch die Schneedecke brach und so die Seilschaft leicht aus dem Tritt bringen konnte. Nach einem kurzen Gegenanstieg auf das Mittelbergjoch ging es nun nur noch bergab. Als wir die Mittelstation des Skigebiets erreicht hatten, hatte die „Schneehatscherei“ ein Ende und es ging auf der Fahrstraße, immer entlang der Pitze, hinaus ins Tal. Nach einer kurzen Einkehr im „Gletscherstüble“ war dann auch der Abstieg geschafft und wir erreichten nach insgesamt elf Stunden seit Aufbruch den Parkplatz. Nun hieß es Abschied nehmen und es wurde die lange Heimfahrt angetreten.

 Bericht: Stefan

 

 

 

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